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Radabstellanlage WOGENO

Im Rahmen unseres Forschungsvorhabens Connect Urban Bag (IBA.M) untersuchen wir systematisch, wie die Architektur des Geschosswohnungsbaus den sozialen Zusammenhalt in Quartieren prägt.

Nachdem wir im ersten Beitrag kurz die großen Zusammenhänge von Mobilität und Nachbarschaft beleuchtet haben, zoomen wir nun hinein: In den kommenden Beiträgen widmen wir uns systematisch den sogenannten „Räumen des Übergangs“ (Schwellenräumen). Das sind jene alltäglichen Funktionsräume im Mehrgeschossbau, an denen Bewohnerinnen und Bewohner einander zwangsläufig begegnen – oder aneinander vorbeilaufen. Wir starten unsere Forschungsreihe dort, wo Mobilität und Gebäude aufeinandertreffen: bei den Fahrradabstellanlagen.

Der historische Blickwinkel: Wenn Ordnung Soziabilität verdrängt

Die 1920er-Jahre in Europa waren eine Blütezeit der Alltagsmobilität. Das Auto blieb für die breite Bevölkerung unerschwinglich, während das Fahrrad zum „Arbeiter-Mercedes“ und zum absoluten Massenverkehrsmittel avancierte. Parallel dazu revolutionierte die Avantgarde-Architektur des Neuen Bauens (unter Ernst May in Frankfurt, Bruno Taut in Berlin oder den Bauhäuslern) den Wohnungsbau. Sie schufen lichtdurchflutete, hygienische und bezahlbare Siedlungen für die Masse. Doch wie begegneten diese Pioniere dem Fahrrad im Alltag?

Der Fahrrad- und Kinderwagenkeller (Geschosswohnungsbau)

Den Architekten der Moderne ging es primär um Hygiene, Ordnung und klare Wegebeziehungen. Herumstehende Fahrräder galten als visueller Lärm und Unordnung. In wegweisenden Siedlungen wie der Römerstadt oder der Hufeisensiedlung wurde das Rad streng funktional aus dem Sichtfeld verbannt:

  • Der Keller als Funktionsraum: Erstmals wurden feuchte Altbaukeller durch trockene, eigens deklarierte Fahrrad- und Kinderwagenkeller ersetzt.
  • Typologische Innovationen: Um das mühsame Tragen über Treppen zu verhindern, wurden moderne Beton- und Kinderwagenrampen an Kellereingängen integriert.

So fortschrittlich diese technischen Detaillösungen waren, so groß war die soziologische Leerstelle: Die Idee, den Ort des Ankommens und Abstellens als architektonisch ansprechenden Treffpunkt mit Verweilqualität zu gestalten, lag völlig außerhalb des Denkhorizonts dieser Zeit. Das Fahrrad wurde verwahrt, nicht als Anlass für Nachbarschaft begriffen.

Was lernen wir daraus für heutige Quartiere?

Unsere systematische Betrachtung zeigt: Wir wiederholen diese funktionalistische Verbauung oft bis heute. Fahrradräume werden auch im modernen Wohnungsbau meist als Pflichtübung in Tiefgaragen oder sterile Hinterhöfe abgedrängt. Wie können wir Fahrradabstellanlagen neu denken, damit sie von reinen Abstellflächen zu lebendigen „Hubs der Nachbarschaft" werden?

Möchten Sie tiefer in die Typologiegeschichte eintauchen?
In unserem White Paper zur Geschichte der Fahrradabstellanlagen analysieren wir die Entwicklung und deren Einfluss auf das Quartiersleben im Detail.

Und im nächsten Blogbeitrag schauen wir uns an, wie wir vom Abstellraum zum Nachbarschafts-Hub gelangen: Wie moderne Radabstellanlagen soziales Leben stiften?