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städtebaulicher Prototyp des St.-Quirin Platzes
städtebaulicher Prototyp des St.-Quirin Platzes

Stadtplanung lebt vom Dialog – doch wie erhält man echtes Alltagswissen statt nicht umsetzbarer, unverbundener Wunschzettel? Bei intrestik untersuchen wir systematisch, mit welchen Werkzeugen das soziale Miteinander im öffentlichen Raum verhandelt werden kann.

Wenn es um die partizipative Gestaltung des öffentlichen Raums geht, kennen Stadtplaner und Verwaltungsmitarbeiterinnen das Problem nur zu gut: Gut gemeinte Beteiligungsformate verkommen oft zu einem reinen Wunschkonzert. Das Ergebnis auf unzähligen Post-its ist meist ein bunter Blumenstrauß aus den immer gleichen Standard-Ideen (die Parkbank, das Café, das Parkelet).

Das Problem dabei: Diese Wünsche werden losgelöst von der konkreten lokalen Situation und deren Machbarkeit geäußert. Für die spätere städtebauliche Planung sind sie kaum übersetzbar – was am Ende zu Enttäuschung auf allen Seiten führt. Bei intrestik haben wir uns deshalb die Frage gestellt: Wie müssen Beteiligungswerkzeuge gebaut sein, damit sie die tatsächlichen sozialen Dynamiken und Konflikte eines Ortes abbilden?

Impulse aus der Forschung: Tatiana Bilbaos Bedürfnismatrix

Auf der Suche nach neuen Methoden haben wir internationale Ansätze analysiert. Eine zentrale Impulsgeberin war für uns die mexikanische Architektin Tatiana Bilbao. Mit ihrer „Matrix der Emotionen und Aktivitäten“ ermittelt sie die elementaren, menschlichen Bedürfnisse an gebaute Räume – ein konzeptionell spannender Ansatz. In unserer eigenen Praxis zeigt sich jedoch die Übersetzungshürde: Was im fachlichen Diskurs mit Expertinnen tiefe Dialoge auslöst, stößt bei städtebaulichen Laien schnell an Abstraktionsgrenzen.

Für uns ergab sich daraus die zentrale Forschungsfrage für den öffentlichen Raum: Wie übersetzen wir das wertvolle Alltagswissen der Anwohnenden in eine systematische Sprache, die Raum für Neues schafft und gleichzeitig realistisch verhandelbar ist?

Nutzung statt Wunschzettel: Die Methode der radikalen Zuspitzung

Unsere Lösung lag in einer klaren Zuspitzung der Fragestellung. Statt nach abstrakten Wünschen zu fragen, lenken wir den Fokus auf konkrete Handlungen und räumliche Überschneidungen:

  • Aktivitäten statt Objekte: Wir fragen nicht „Was willst du hier stehen haben?“, sondern „Welche konkrete Aktivität möchtest du an genau diesem Punkt im Viertel ausüben oder vorfinden?“
  • Verhandeln im Raum: In einem zweistufigen Verfahren platzieren die Teilnehmenden diese Aktivitäten direkt im Grundriss. Die Kernregel: Andere Teilnehmende dürfen – und sollen! – diese Vorschläge kommentieren, verschieben oder herausfordern.

Dadurch wird Räumlichkeit plötzlich greifbar. Nutzungskonflikte (z. B. Ruhebedarf vs. Spielraum) werden nicht erst im Nachgang durch die Verwaltung geklärt, sondern direkt von den Bürgern am Modell miteinander ausgehandelt.

Der Clou: Das haptische Modell als Brücke ins Quartier

Der eigentliche Hebel für die Praxis entsteht im Schritt ins Quartier: Wir nutzen diese Modelle nicht nur im geschlossenen Workshop-Raum, sondern gehen damit direkt ins Feld – auf die Plätze und Straßen vor Ort. Das haptische Modell wird zur niedrigschwelligen Diskussionsgrundlage für genau jene Menschen, die niemals an einem offiziellen Beteiligungsformat teilnehmen würden.

Möchten Sie erfahren, wie wir diesen Prototypen-Ansatz konkret in Kommunen einsetzen? Im nächsten Beitrag erfahren Sie: Von den Nutzungswünschen zum Prototyp – Wie aus verhandelten Aktivitäten konkrete städtebauliche Entwürfe werden, die Dimensionen, Abstände und Dichten sofort begreifbar machen.