Worin bestanden die Grundannahme Aldo van Eycks? Wie ist er vorgegangen? Warum wurden seine Interventionen so gut angenommen?

Aldo van Eycks kritisierte die funktionale Trennung der Stadt, wie sie Le Corbusier propagierte und in der Folge der „Charta von Athen“ allgemeiner städtebaulicher Standard in Europa wurde. Die moderne Stadt sollte nach Le Corbusier klaren Strukturen folgen, schlicht und einfach sein. Arbeit, Wohnen und Freizeit waren darin klar voneinander getrennt werden – somit auch das Spielen.

Aldo van Eyck stellte dieser Entwicklung seine Idee von der humanen Architektur gegenüber. „Die humane Architektur von Aldo van Eyck zielte darauf ab, Orte zu schaffen, die den Dialog fördern und das Gemeinschaftsleben anregen …“.

Aus diesem Grund war es nur konsequent, Kinderspielplätze nicht von der Stadt zu trennen, sondern überall in ihr zu platzieren oder wie er selbst schreibt „… die Stadtteile … durch Injektionen neu zu beleben“. Was wiederum zeigt, dass er nicht allein die Kinder bei seinen Planungen im Blick hatte. Er schuf nicht eigenständige, isolierte Spielplätze, sondern nutze vorhandene Grundstücke, manchmal nutzlos, leer und tot, um dort Raum für Kinder zu schaffen. Manchmal handelt es sich dabei um temporäre Zwischennutzungen, die schon bald wieder verschwinden sollten. Er passte jeden dieser Plätze mit Hilfe seiner Spielobjekte an die Bedürfnisse der Kinder an. Die Spielobjekte bestanden aus einem Set ähnlicher, geometrischer Objekte. Diese waren in ihrer Funktion unbestimmt und konnten so von den Kindern entdeckt, unterschiedlich genutzt und so in ihren Besitz genommen werden. Für jeden Platz wurde eine eigene, individuelle Kombination zusammengestellt.

Für die Wirksamkeit lieferte der Soziologe Erving Goffman in seinem Werk „Verhalten in sozialen Situationen, Strukturen und Regeln der Interaktion im öffentlichen Raum“ eine Erklärung. Menschen benötigen eine Legitimation, um im öffentlichen Raum zu verweilen oder gar etwas zu beobachten. Kinderspiel kann zu solch einer Legitimation leifern. Fast jeder Spielplatz von Aldo van Eyck hat mindestens eine Bank, auf der man sitzen und zuschauen kann. Wenn nicht gar das Spielobjekt zum Verweilen und Sitzen einlädt. Es entsteht ein Wechselspiel: „So entdeckt das Kind die Stadt wieder und die Stadt seine Kinder“. Der Abstand und Anordnung der Sitzgelegenheit vom und zum eigentlichen Ort des Spiels scheint so gewählt, dass die Kinder sich beobachtet, aber nicht kontrolliert fühlen. Ein anderer unterstützender Faktor war sicherlich in den 50er und 60er Jahren, dass in Europa und so auch in Amsterdam Familien mehr Kinder hatten als heute und zugleich die Wohnsituationen noch beengt waren. Mehr Personen wohnten zusammen in einer Wohnung und der Einzelne hatte weniger qm Fläche zur Verfügung. Da war es noch üblicher, dass die Kinder Draußen spielten bzw. spielen mussten.

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