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Bürgerbeteiligung: Exklusion durch Partizipation?

22.12.2015 von Eric T.

Aktuell entwickeln immer mehr Kommunen in Deutschland Leitlinien zur Bürgerbeteiligung. Diese zeigen neben gesetzlichen Grundlagen idealtypische Initiierungsprozesse auf und beschreiben methodische Vorgehensweisen, um die verschieden Phasen der Bürgerbeteiligung zu moderieren. Je nach Kommune werden unterschiedliche soziale Gruppen hervorgehoben und Ansätze vorgestellt, die deren Beteiligung sicherstellen sollen.

Es ist Konsens in der Fachdiskussion, dass sich bislang überwiegend Bürger beteiligen, deren Interessen über die etablierten Vereine und Volksvertreter bereits berücksichtigt sind. In der Regel verfügen sie über einen überdurchschnittlichen Bildungsabschluss und stehen eher am Ende ihrer beruflichen Karriere.

Von der Argumentation eines Goethe Institutes würden wir erwarten, dass es die Dimension von Sprache und hier die Beherrschung der deutschen Sprache in den Fokus nimmt. Welche Ansätze sieht das Goethe-Institut, um ungleiche Kompetenzen im sprachlichen Ausdruck und Argumentation auszugleichen? Hilfreich wäre eine Einschätzung oder Empfehlung zu den unterschiedlichen Beteiligungsformaten. Welches Vorgehen, welche Methode hat eine niedrigere, sprachliche Hemmschwelle oder wo leidet die Qualität in der Argumentation, weil die deutsche Sprache nicht ausreichend beherrscht wird?

intrestik setzt hier mit einem spielerischen Zugang an. Spiel ist eine universelle Sprache, die jeder Mensch versteht. Was beim Fußball funktioniert, sollte auch bei der Moderation von Beteiligungsprozessen funktionieren: jeder Mensch kann mitspielen. Ein spielerisches Vorgehen unterstützt die Diskussion im Stadtquartier. Zwar nutzt auch Spiel die deutsche Sprache als Verständigungsmittel, die gesprochene Sprache stellt aber lediglich einen Teil der Kommunikation dar. Mit den Elementen des Spiels beziehen Bürgerinnen und Bürger erst einmal Stellung, ohne sich sofort verbal oder in differenzierten Aussagen rechtfertigen zu müssen. Vielredner werden behutsam ausgebremst und es bleibt Raum für die Zurückhaltenden. In der Spielsituation agieren die Teilnehmenden auf Augenhöhe, unabhängig von ihrem beruflichen und sozialen  Status in der Realität. Die Termini der Planer, Architekten  und Verwaltung relativieren sich, in Folge kommt es zu einer Verständigung auf breiter, demokratischer Basis.

Es wäre zu wünschen, dass das Goethe Institut einmal mehr über spielerische oder vergleichbare Ansätze nachdenkt, diese ausprobiert und den Kommunen eine Empfehlung ausspricht. Unsere Gesellschaft, unsere Städte differenzieren sich immer mehr aus, wir nutzen Deutsch zur Verständigung, sollten aber aufeinander Rücksicht nehmen, um niemanden zu verlieren.

Hier der Link zum Beitrag des Goethe Institutes:
https://www.goethe.de/de/kul/arc/20592014.html

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